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Weshalb du nicht immer das tun solltest, was sich gut anfühlt

Ein Klient hat mir kürzlich eine wirklich gute und wichtige Frage gestellt: «Sollte ich denn nicht immer das tun, was sich für mich gut anfühlt?» Die Antwort auf diese Frage ist NEIN. Die Erklärung dafür ist aber weitaus komplexer. Der Weg in ein erfülltes Leben hat zwar viel damit zu tun, deiner Freude zu folgen, aber das ist eben nicht alles. Es ist sinnvoll, dich nach deiner Vision, deinen Zielen und Wünschen auszurichten. Um dort wirklich anzukommen, musst du aber jemand anderes werden, als du gerade bist. Nicht, weil du nicht gut genug, nicht liebenswert genug oder nicht wertvoll genug bist wo du gerade bist, sondern weil wir hier auf der Erde durch Prozesse gehen, die dazu führen, dass wir uns immer weiterentwickeln. Entwicklung bringt immer unangenehme Gefühle wie Angst, Druck, Ungewissheit, Wut, Frustration, Trauer etc. mit sich, weil wir Bekanntes hinter uns lassen und über unsere Begrenzungen hinauswachsen.

Stell dir eine Frau vor, die Balletttänzerin werden möchte. Ihr Weg fängt an mit ihrem Wunsch. Zu diesem Zeitpunkt hat sie aber noch nie Ballett gemacht, es ist also unmöglich durch den Wunsch alleine diese Balletttänzerin zu verkörpern. Jetzt kommt die Veränderung: Sie besucht ihre erste Ballettstunde und es stellt ich heraus, dass sie wirklich talentiert ist und ihr Körper die richtigen Voraussetzungen hat. Nun braucht es weitere Praxis und viel Übung. Schritt für Schritt wird sie so zur Balletttänzerin. Dazu muss sie aber Entscheidungen treffen, die sich nicht immer nur gut anfühlen. Vielleicht verletzt sie sich und muss eine Pause einlegen, die sie im Training zurückwirft, die aber nötig ist damit sich ihr Körper auf gesunde Weise regenerieren kann. Vielleicht versteht sie sich super mit ihrer Trainerin, kann aber nichts mehr von ihr lernen und muss sich deshalb eine neue Person für diese Funktion aussuchen. Auch Entbehrungen gehören dazu, wenn sie ihr Ziel erreichen will – was sich ebenfalls nicht gut anfühlt. Vielleicht verzichtet sie darauf, mit Freunden auszugehen, damit ihr Körper genug Schlaf bekommt und keine ungesunde Ernährung oder Alkohol ihre Leistung verschlechtert. Obwohl sich der Verzicht vorübergehend ungut anfühlen kann, bleibt sie ihrem Wunsch treu, weil sie damit ihrer Freude und ihrem Talent folgt. Im für sie ungünstigsten Fall muss sie sich damit konfrontieren, dass sie kein Talent hat oder sich so verletzt, dass sie nie mehr tanzen kann. Das kann sich fürchterlich anfühlen, ebnet aber möglicherweise den Weg in ihre wahre Berufung und ist daher nicht falsch.

Damit wir etwas auf erfüllende Weise erreichen können, braucht es drei essenzielle Kräfte: Liebe, Wille und Weisheit. Die Liebe liebt was ist und fühlt die Einheit darin. Sie liebt dich wie und wo du gerade bist, sie liebt das Leben, so wie es ist. Und sie hat kein Bedürfnis, etwas zu erreichen oder zu erschaffen, sie ist einfach. Der Wille jedoch hat eine Richtung, eine Absicht, er ist ganz klar auf etwas gerichtet, kann viel in Bewegung bringen, Muster brechen, Dinge transformieren und Veränderung bewirken. Er bringt die Kraft, eine Wahl zu treffen. Die Weisheit greift auf die Erfahrung der Vergangenheit zu. Sie hilft den Willen auszurichten und mit Liebe einzusetzen. Es braucht ein Gleichgewicht zwischen diesen Kräften, damit du kohärent bist. Je mehr du in Kohärenz bist mit deinem wahren Wesen, desto weniger Energie benötigst du im Leben, desto mehr Kraft steht dir zur Verfügung. Du fühlst dich ausgeruhter und ausgeglichener. Das macht es einfacher dich liebevoll und durch unangenehme Gefühle hindurch zu bewegen.

Vielleicht hast du gehört, dass du auf deinem Weg auf deine Gefühle hören solltest, dass deine Gefühle dein innerer Kompass sind. Das sehe ich auch so. Es ist aber nicht so, dass dein innerer Kompass bestimmen sollte, wohin du gehst, denn das würde bedeuten, dass deine Emotionen dein Leben bestimmen. Stell es dir eher so vor, dass du den inneren Kompass benutzt, um an das Ziel zu kommen, das du dir selbst setzt. Zudem wurde dieser Kompass durch die soziale Konditionierung oft verstellt. Es ist also wichtig, zu lauschen, was deine Gefühle dir mitteilen, aber du lässt die Gefühle nicht entscheiden.

Nur weil sich etwas gut anfühlt, heisst das noch lange nicht, dass es auch wirklich gut für dich ist. Vielleicht fühlst du dich schön entspannt und gelassen nach einem Glas Wein, wenn du jetzt aber nur noch Wein trinkst, tust du dir damit nichts Gutes. Genauso ist es auch mit schlechten Gefühlen. Manchmal heisst ein schlechtes Gefühl, dass du etwas nicht tun solltest, manchmal triggert es aber auch einfach ein altes Trauma, einen Glaubenssatz. Um herauszufinden, wie du auf ein Gefühl reagieren solltest, brauchst du Bewusstsein. Du musst erkennen, woher das Gefühl kommt, bzw. was das Gefühl verursacht. Hier sind 3 Beispiele, wie du dir über die Wurzel deiner Gefühle bewusster werden kannst:

    • Frage dich, wie das aktuelle Gefühl zu deiner grösseren Vision steht? Wenn es meine Vision ist, mit meiner Selbstständigkeit finanzielle Fülle zu kreieren dann muss ich Klarheit darüber haben, wie viele Einnahmen ich habe und wie viele Ausgaben. Dazu muss ich eine Buchhaltung führen. Ich selbst habe oft keinen Spass an den administrativen Tätigkeiten meiner Firma, trotzdem ist mir die finanzielle Fülle, die mir meine Firma bringt genug wichtig, dass ich diese Dinge tue, obwohl es sich besser anfühlen würde, draussen in der Sonne zu sitzen oder eine Massage zu geniessen. Ich nutze also meinen Willen, und erledige, was zu erledigen ist. Dennoch achte ich darauf, dass ich mir Pausen gönne, mir Auszeiten nehme und genügend Raum habe, einfach zu sein und nichts zu tun.
    • Frage dich, ob es einen inneren Konflikt gibt. Generell fühlt es sich unangenehm an, wenn sich verschiedene Persönlichkeitsaspekte in uns in einem Konflikt befinden. Wenn ein Teil von dir einfach chillen und der andere ein Projekt voranbringen will, dann ist es egal was du tust, du fühlst dich nicht wirklich gut. Dann musst du einen Weg finden, wie du beide zufriedenstellen kannst. Mache dir dazu bewusst, dass du weder der eine, noch der andere bist, sondern du bist der Direktor/die Direktorin der Handlung. Das bedeutet eine Balance zu finden und die Bedürfnisse beider Persönlichkeitsaspekte zu berücksichtigen. Du entscheidest immer mit deinem höheren Ziel vor Augen aber ohne Bedürfnisse von Persönlichkeitsaspekten zu missachten.
    • Frage dich, ob das unangenehme Gefühl einfach unangenehm und ungemütlich ist oder ob es etwas gibt, womit du dich selbst verletzt, bzw. deine Grenzen und Bedürfnisse nicht respektierst und dich dadurch verletzen lässt. Dafür musst du dir gegenüber sehr ehrlich sein. Es ist beispielsweise möglich, dass du dich in Beziehung mit einem anderen Menschen unwohl fühlst, weil deine Muster nicht greifen und du deshalb den andern nicht kontrollieren kannst, dich verletzlich fühlst und deine Verletzlichkeit dir Angst macht. Hier wäre es gewinnbringend, durch das unangenehme Gefühl hindurch zu gehen. Es kann aber auch sein, dass du dich in einer Beziehung nicht gut fühlst, weil du respektlos behandelt wirst (überschrittene Grenzen) oder die andere Person deine Bedürfnisse stets hinter ihre eigenen stellt. Hier solltest du die schlechten Gefühle nicht einfach aushalten, sondern dich aus dem Beziehungskonstrukt befreien.

Bild: Alexis Mora Angulo via Unsplash

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